AfD stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt: BKMO fordert konsequente Abgrenzung und Schutz migrantischen Lebens

Pressemitteilung – Berlin, 7.09.2026

AfD stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt: BKMO fordert konsequente Abgrenzung und Schutz migrantischen Lebens
 
Die AfD ist nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 43,8 stärkste Kraft bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geworden, bleibt jedoch ohne absolute Mehrheit. Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) sieht darin ein alarmierendes Signal für die Demokratie und fordert die demokratischen Parteien zu einer verbindlichen Abgrenzung auf.

Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Jede direkte oder indirekte Zusammenarbeit mit der Partei muss ausgeschlossen bleiben. Ehsan Djafari, Co-Vorstandsvorsitzender der BKMO, erklärt: „Dieses Ergebnis ist ein Stresstest für die Demokratie in ganz Deutschland. Für Menschen mit Migrationsgeschichte geht es um ihre Sicherheit, ihre Rechte und ihre Zugehörigkeit. Wer jetzt taktisch laviert, statt klare Grenzen zu ziehen, setzt ihr Vertrauen in den demokratischen Staat aufs Spiel.“
 
Die BKMO warnt davor, migrationsfeindliche Positionen zu übernehmen oder gesellschaftliche Probleme auf Zuwanderung zu reduzieren. Menschen mit Migrationsgeschichte gestalten Sachsen-Anhalt mit und tragen zu seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung bei. „Wer migrantische Menschen ausgrenzt, gefährdet die Zukunft des Landes. Die Antwort auf den Erfolg der AfD muss eine Politik sein, die Probleme löst, gleichberechtigte Teilhabe sichert und den Zusammenhalt stärkt“, so Djafari.
 
Die BKMO fordert drei verbindliche Grundsätze:
  1. Keine Zusammenarbeit mit der AfD: keine Koalition, keine Tolerierung und keine Mehrheiten, die gezielt auf ihre Stimmen bauen.
  2. Keine Übernahme migrationsfeindlicher Positionen: Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Gleichbehandlung sind nicht verhandelbar.
  3. Verlässlicher Schutz und dauerhafte Förderung: Migrant*innenorganisationen, Beratungsstellen sowie Antidiskriminierungs- und Empowermentprojekte brauchen langfristige Finanzierung und wirksamen Schutz vor Bedrohungen.
 
Die Brandmauer muss sich im politischen Handeln beweisen. Menschen mit Migrationsgeschichte müssen darauf vertrauen können, dass der Staat ihre Rechte schützt und ihre gleichberechtigte Teilhabe gewährleistet“, betont Djafari.
 
Über die BKMO: Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) ist ein bundesweites Netzwerk von über 70 migrantischen und postmigrantischen Initiativen. Sie setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und eine offene, demokratische Gesellschaft ein.

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Vielfalt zum Nulltarif? Vom Sparen zum Kahlschlag

Im September 2025 haben wir mit „Vielfalt zum Nulltarif? – Das wird teuer!“ zehn konkrete Forderungen zum Bundeshaushalt 2026 vorgelegt. Der nun vorliegende Regierungsentwurf für 2027 zeigt: Keine unserer zentralen Forderungen wurde umgesetzt. Stattdessen wurden mehrere der ohnehin schon unzureichenden Förderlinien weiter gekürzt, teils drastisch. Was wir vor einem Jahr als strukturelles Defizit benannt haben, hat sich zu einem handfesten Kahlschlag entwickelt.

Dabei bilden Migrant*innenorganisationen und neue deutsche Organisationen seit Jahrzehnten eine tragende Säule der Einwanderungsgesellschaft – und das bei einer Strukturförderung von gerade einmal 2 Mio. Euro.

Was der Regierungsentwurf konkret bedeutet

Der Vergleich mit dem Vorjahreshaushalt zeigt: Während die institutionelle Basis, etwa der Titel der Integrations-/ Antirassismusbeauftragten oder die Zuschüsse an die Wohlfahrtsverbände, weitgehend stabil bleibt, werden ausgerechnet die Mittel für Zugang, Beratung und communitynahe Teilhabe deutlich zurückgefahren. Die Integrationskurse werden mit −44,5 % nahezu halbiert, die Asylverfahrensberatung trotz positiver Evaluation um −79,6 % gekürzt, „Zusammenhalt durch Teilhabe“ sinkt um −37,8 % und das Patenschaftsprogramm „Menschen stärken Menschen“ wird mit −96,1 % faktisch abgeschafft. Zusammen mit der Umbenennung des zentralen Demokratietitels weg von „Vielfalt und Toleranz“ hin zu „Extremismusprävention“ und der Änderung der Förderrichtlinie von „Demokratie leben!“ ergibt sich eine erkennbare inhaltliche Schwerpunktverschiebung, nicht nur eine reine Kürzungsrunde.

Was wir fordern

  • Community-basierte Beratung strukturell und nachhaltig in allen Förderrichtlinien verankern.
  • Strukturförderung beim BAMF und Houses of Resources deutlich ausweiten und langfristig für fünf Jahre absichern.
  • Zusammenhalt durch Teilhabe: Kürzung von 37,8 % zurücknehmen und Förderrichtlinien „MO-freundlich“ gestalten.
  • Demokratie leben!: Infrastrukturförderung erhalten, „Menschen stärken Menschen“ nicht abschaffen, verbindliche Förderquote für MOs und ndOs.
  • Bundesbeauftragten-Stelle gegen Anti-Schwarzen Rassismus gesetzlich verankern.
  • (Post)migrantische Familienverbände und Wohlfahrtsverbände strukturell und institutionell fördern statt weiter kürzen.

Im September beginnt mit der ersten Lesung im Bundestag die entscheidende Phase des Haushaltsverfahrens 2027. Wir fordern die Mitglieder des Haushaltsausschusses und die zuständigen Fachpolitiker*innen auf, die Kürzungen in den kommenden Wochen zu revidieren.

Weitere Informationen

Unsere zehn aktualisierten Forderungen im Detail finden Sie im Papier „Vielfalt zum Nulltarif? Vom Sparen zum Kahlschlag„. Den ausführlichen Vergleich des Regierungsentwurfs 2027 mit unseren Forderungen 2026 – inklusive Zahlen, Zeitplan und Einschätzung – finden Sie in unserer Mitgliederinformation Juli 2026. Die Forderungen zu dem Haushalt 2026 finden Sie im Papier „Vielfalt zum Nulltarif? – Das wird teuer!

Kontakt: info@bk-mo.de

Über 80 Verbände unterstützen von Rechtsextremen bedrohte Bürger*innen

Bündnis „Zusammen für Demokratie“ stellt Solidaritätsvereinbarung für bedrohte Engagierte und Einrichtungen vor

Berlin, 27. August 2026. Die im Bündnis „Zusammen für Demokratie“ zusammengeschlossenen Verbände wollen Personen und Einrichtungen, die von Rechtsextremen attackiert oder bedroht werden, gemeinsam unterstützen. Wer wegen seines Einsatzes für die Demokratie angegriffen wird, soll nicht allein bleiben. Das ist das Ziel einer Solidaritätsvereinbarung, die von mehr als 80 Verbänden unterstützt wird – darunter Gewerkschaften, die großen christlichen Kirchen, Sportverbände sowie zahlreiche Menschenrechts-, Sozial- und Umweltorganisationen.

Nach Anschlägen auf Jugend- oder Kulturzentren, bei Hasskampagnen gegen Menschen, die sich öffentlich äußern, oder wenn ehrenamtlich Engagierte bedroht werden, wollen die Bündnismitglieder gemeinsam Unterstützung organisieren. Je nach Situation kann das etwa durch öffentliche Solidarität, rechtliche Hilfe oder finanzielle Unterstützung geschehen.

Mit der Vereinbarung reagieren die Verbände auf zunehmende Angriffe und Anfeindungen gegen Menschen und Organisationen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Ziel ist es, Betroffenen Rückhalt zu geben und sie darin zu bestärken, ihr Engagement fortzusetzen. Angriffe auf einzelne Menschen oder Organisationen sollen nicht dazu führen, dass sie sich zurückziehen oder mit der Bedrohung allein bleiben.

Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), erklärt: „Lassen wir uns nicht spalten. Spaltung schwächt unsere Gesellschaft. Wir setzen dem Solidarität entgegen und bieten mit der Solidaritätsvereinbarung Schutz, Öffentlichkeit und Unterstützung. Wenn Einzelne angegriffen werden, dann stehen wir zusammen.“

Andre Lehmann aus dem Bundesvorstand des LSVD Verband Queere Vielfalt betont: „Der Anschlag auf den CSD Berlin traf einen Ort des Kampfes für queere Rechte und steht gerade deshalb für den steigenden queerfeindlichen Hass in Deutschland. Ein Angriff auf queere Rechte ist immer auch ein Angriff auf demokratische Räume. Daher stehen wir gemeinsam für Vielfalt und Demokratie.“

Sophie Lampl, Geschäftsführende Vorständin von Greenpeace Deutschland, sagt: „Unsere Zivilgesellschaft ist die fünfte Säule der Demokratie. Rund 27 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich für Umwelt, Menschenrechte oder sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Als kritische Organisationen schauen wir den Regierenden auf die Finger, machen Missstände sichtbar und bringen mit unserer Expertise Lösungen im Sinne des Gemeinwohls ein.”

Rüdiger Schuch, der Präsident der Diakonie Deutschland, betont: „Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie erleben Gewaltandrohung, spüren bisweilen Angst und Unsicherheit, weil sie für andere da sind, etwa in der Migrationsberatung oder der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Das erleben auch Menschen, die sich bei uns ehrenamtlich engagieren. Hass und Hetze statt Respekt und Anerkennung. Genau hier setzt die Solidaritätsvereinbarung des Bündnisses an: Mit Anfeindungen soll niemand allein umgehen müssen, sondern das wollen wir gemeinsam tun.“

Karen Taylor, Vorständin der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen, sagt: „Die Ziele wechseln, das Muster bleibt gleich. Heute trifft es eine migrantische Organisation, morgen eine queere Initiative, übermorgen eine Umweltorganisation oder Gewerkschaft. Unsere Antwort ist nicht Rückzug, sondern organisierte Solidarität. Wenn eine Organisation angegriffen wird, bleibt sie nicht allein. So ist klar: Solidarität ist kein Gefühl. Solidarität ist eine gemeinsame Verantwortung.“

Das Bündnis „Zusammen für Demokratie“ wurde 2024 gegründet, um das Engagement der beteiligten Verbände für Demokratie und Menschenrechte zu bündeln. Mit der Solidaritätsvereinbarung wollen die Mitgliedsorganisationen ihre Unterstützung für bedrohte Bürger*innen und Einrichtungen gemeinsam und verlässlich organisieren.

Mehr Informationen finden Sie in diesem Dokument: Solidaritaetsvereinbarung_Pressemappe.pdf

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Jonas Frykman [er,ihm], Margaretha Eich [sie,ihr]

 

E-Mail: info@zusammen-fuer-demokratie.de

Telefon: +49 1579 2490625

 

WERKSTUDENT*IN (M/W/D) BÜRO- UND VERANSTALTUNGSMANAGEMENT

DIE BUNDESKONFERENZ DER MIGRANT*INNENORGANISATIONEN (BKMO) SUCHT AB SOFORT EINE*N STUDENTISCHE*N MITARBEITER*IN (10-15 STUNDEN/WOCHE) ZUR UNTERSTÜTZUNG IM BEREICH DES BÜRO- SOWIE VERANSTALTUNGSMANAGEMENTS.

DEINE AUFGABEN

  • Unterstützung bei Verwaltungsabläufen
    Mithilfe bei der Aktenführung, Datenpflege und Ablage unserer projektbasierten Arbeit. Vorbereitende Prüfung von Belegen (z.B. für die Erstattung von Reisekosten).
  • Büromanagement
    Unterstützung bei Terminplanungen, Bearbeitung des Posteingangs/-ausgangs, Kopier- und Scanarbeiten sowie Bürobestellungen.
  • Mitarbeit bei Veranstaltungen oder Sitzungen
    Protokollführung, Vorbereitung von Unterlagen und Präsentationen, organisatorische Unterstützung bei Veranstaltungen (bspw. der BKMO-Jahreskonferenz im Oktober).
  • Pflege von Datenbanken und Excel-Tabellen
    Einpflegen / Aktualisieren von Datenbeständen für interne Auswertungen oder Statistiken

 

ANFORDERUNGEN

Formale Anforderung:

  • Immatrikulation in einem relevanten Studiengang wie Verwaltungswissenschaft, Sozialwissenschaft, Politikwissenschaft o.ä. (Bachelor oder Master)

Gewünschte Erfahrungen:

  • Idealerweise erste praktische Erfahrungen mit Büro- und Verwaltungsvorgängen sowie im Veranstaltungsmanagement
  • Sicherheit im Umgang mit MS Officeprogrammen
  • Interesse in den Bereichen Gleichstellung, Antidiskriminierung und Vielfaltsgestaltung

Gewünschte persönliche Kompetenzen:

  • Sorgfältige und strukturierte Arbeitsweise, bspw. bei der Prüfung von Dokumenten und Belegen
  • Ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Zuverlässigkeit.
  • Die Fähigkeit, Aufgaben selbstständig voranzutreiben und bei Unklarheiten proaktiv nachzufragen.

WIR BIETEN

  • Vergütung: 12–14 €/Stunde, angelehnt an TV Stud III
  • Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten
  • Ein engagiertes und unterstützendes Team
  • Mitarbeit in einem wachsenden (post)migrantischen Netzwerk

WISSENSWERTES ÜBER DIE BKMO
Die BKMO wurde 2017 gegründet und ist ein Zusammenschluss von über 70 Migrant*innenorganisationen, die auf der bundespolitischen Ebene aktiv sind. Die BKMO bildet eine Diskussions- und Vernetzungsplattform, die People of Colour, Black People, Menschen mit Migrationsgeschichte, Menschen mit afrikanischen Vorfahren und Geflüchteten eine sichtbare und hörbare Stimme verleiht.
Ihr Ziel ist es, Forderungen und Vorschläge zur Gestaltung unserer Einwanderungsgesellschaft und zum Kampf gegen Rassismus und jedwede Menschen- und Demokratiefeindlichkeit zu bündeln und in die Politik und Öffentlichkeit zu tragen. Weitere Informationen unter www.bundeskonferenz-mo.de.

Die BKMO wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, durch die Bundesbeauftragte für Antirassismus, durch die Robert Bosch Stiftung sowie die Software AG Stiftung.

BEWERBUNG

Wir freuen uns über aussagekräftige Bewerbungen per Mail an info@bk-mo.de.

Hinweis: Es gibt keine feste Bewerbungsfrist – wir sichten alle eingehenden Bewerbungen fortlaufend und führen bei passender Eignung zeitnah erste Gespräche. Idealerweise ist der Arbeitsstart ab sofort.

Ausdrücklich erwünscht sind Bewerbungen von Menschen, die Diskriminierungserfahrung machen, die sich z.B. als Sinti*zze und Rom*nja, Schwarze Deutsche, Person of Color, jüdisch, muslimisch und /oder Geflüchtete bezeichnen, sowie Menschen mit familiärer Migrations- oder Fluchtgeschichte.

Bei Rückfragen wendet Euch bitte an info@bk-mo.de.

 

Neue Förderaufrufe für „Demokratie leben!“ streichen bundesweite Infrastruktur: BKMO warnt vor Kahlschlag der (post)migrantischen Zivilgesellschaft

Pressemitteilung – Berlin, 02.07.2026 Mit den am Dienstag veröffentlichten neuen Förderaufrufen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ beendet die Bundesregierung ab 2027 die sog. bundeszentrale Infrastrukturförderung sowie die Förderung von Innovationsprojekten für etliche zivilgesellschaftliche Träger. Nach Einschätzung der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) verliert die (post)migrantische Zivilgesellschaft damit ihre wichtigste bundesweite Förderstruktur ausgerechnet in einer Zeit wachsender demokratischer Herausforderungen.

Mit dem Auslaufen der Programmbereiche „Bundeszentrale Infrastruktur“ und „Innovationsprojekte“ Ende 2026 verlieren bundesweit mehr als 200 Projekte ihre bisherige Fördergrundlage. Nachdem das Programm ursprünglich auf 4 bzw. sogar 8 Jahre angelegt war, führt das abrupte Ende nach 2 Jahren dazu, dass bundesweite Projektruinen entstehen, dass aufgebaute Netzwerke und schlussendlich Vertrauen zerschlagen werden. Migrant*innenorganisationen sind dabei besonders betroffen:

„Die Bundesregierung spart ausgerechnet an den Strukturen, die demokratischen Zusammenhalt jeden Tag praktisch organisieren, in Zeiten zunehmender Polarisierung und gesellschaftlicher Spannungen. Demokratieförderung kostet wenig, aber ihr Abbau wird unsere Gesellschaft teuer zu stehen kommen“, erklärt Karen Taylor, Co-Vorstandsvorsitzende der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen. Taylor ergänzt: „Besonders hart trifft das unsere Mitglieder im Osten. Am Beispiel des migrantischen Dachverbandes in Sachsen sehen wir, wie migrantische Vereine durch politischen Druck von rechtsextremer Seite in die Insolvenz getrieben werden können. Bundesprogramme wie Demokratie leben! könnten genau hier ansetzen: Vereine vor Ort stärken, denen kommunale und Landesmittel aufgrund der bedrohlichen politischen Entwicklungen gestrichen wurden oder künftig werden.”


Als Dachverband von über 70 Migrant*innenorganisationen sieht die BKMO den Wegfall dieser Förderbereiche mit großer Sorge. Die neue Förderarchitektur verkennt die besondere Rolle migrantischer Organisationen. Anders als etwa große Wohlfahrtsverbände oder Kirchen verfügen sie über keinerlei Regelfinanzierung, obwohl sie genauso staatliche Aufgaben übernehmen und ergänzen, wie bspw. Migrations-, Rechts- oder Sozialberatung. Die bundesweite Infrastrukturförderung schaffte die Voraussetzungen dafür, Expertise zu bündeln und Qualitätsstandards und Netzwerke nachhaltig aufzubauen.

„Migrant*innenorganisationen sind gleichberechtigte Partner und das muss auch anerkannt werden. Nur mit uns entsteht Chancengerechtigkeit. Nur mit uns entstehen Brücken zwischen migrantischen Communitys und Strukturen wie Schulen, Vereine oder kommunale Einrichtungen.“ so Ehsan Djafari, Co-Vorstandsvorsitzender der BKMO.


Migrantische Organisationen spiegeln die gesellschaftliche Realität wider: Rund 30% der Bevölkerung und mehr als 40% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben eine Migrationsgeschichte. Demokratieförderung, die diese gesellschaftliche Realität nicht abbildet, verfehlt einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Das Förderziel „Vielfalt gestalten“ ist Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Teilhabe und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und nicht Nebenaspekt. Vielfalt als selbstverständliche Grundlage des gemeinsamen Miteinanders kann und darf nicht durch einzelne Aspekte wie Integration und Teilhabe ersetzt werden. Eine resiliente Demokratie braucht starke zivilgesellschaftliche Partner. Nur eine Partnerschaft auf Augenhöhe kann garantieren, dass die Ziele des Programms erfolgreich erreicht werden. Wer stattdessen Strukturen abbaut, die Vertrauen schaffen, gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und demokratische Teilhabe ermöglichen, gefährdet die Handlungsfähigkeit unserer Demokratie.

Die BKMO fordert:

  • den Erhalt einer bundeszentralen Infrastruktur für Vielfalt, Teilhabe und Demokratieförderung
  • die konkrete Sicherung des Förderziels „Vielfalt gestalten“ in der neuen Förderrichtlinie
  • eine verlässliche, mehrjährige Finanzierung zivilgesellschaftlicher Strukturen
  • ein transparentes und partizipatives Verfahren unter Einbeziehung der Trägerexpertise sowie der Erkenntnisse der wissenschaftlichen Evaluationen
  • die Behandlung zivilgesellschaftlicher Organisationen als fachlich versierte Akteure und Partner auf Augenhöhe

Über die BKMO: Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) ist ein bundesweites Netzwerk von über 70 Migrant*innenorganisationen und postmigrantischen Initiativen. Gemeinsam setzen sie sich für gleichberechtigte Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und eine offene, demokratische Gesellschaft ein. Die BKMO versteht sich als politische Stimme der (post)migrantischen Zivilgesellschaft und bringt ihre Perspektiven aktiv in gesellschaftliche und politische Debatten ein. Dabei steht sie für eine solidarische, inklusive und rassismuskritische Gesellschaft – getragen von Menschen, die Deutschland mitgestalten und verändern.

Weitere Informationen: Das Gutachten zu den Hintergründen der Insolvenz des Dachverbands Sächsischer Migrant*innenorganisationen im Auftrag von DaMOst vom 15. April 2026 finden Sie hier.

Es geht auch anders: Warum wir das Memorandum für einen starken Flüchtlingsschutz unterstützen

Wer die aktuelle Debatte über Flucht und Migration verfolgt, könnte den Eindruck gewinnen, dass Schutzsuchende vor allem als Problem betrachtet werden. Die politischen Vorschläge überschlagen sich: schnellere Abschiebungen, mehr Grenzkontrollen, weniger Rechte. Gleichzeitig geraten die Menschen aus dem Blick, um die es eigentlich geht.

Genau deshalb haben wir als Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) das neue „Memorandum für einen starken Flüchtlingsschutz“ mitunterzeichnet. Gemeinsam mit 274 weiteren Organisationen aus Zivilgesellschaft, Wohlfahrt, Menschenrechtsarbeit und migrantischer Selbstorganisation setzen wir ein Zeichen für eine andere Perspektive: eine Perspektive, die Menschenrechte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe ins Zentrum stellt.

Das Memorandum erscheint im Jahr des 75-jährigen Bestehens der Genfer Flüchtlingskonvention. Es erinnert an einen Grundsatz, der heute oft verloren zu gehen droht: Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder existenzieller Bedrohung fliehen, haben Anspruch auf Schutz. Dieses Versprechen war nie nur eine rechtliche Verpflichtung. Es ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Selbstverständnisses, das auf Menschenwürde und Solidarität beruht.

Als migrantische Organisationen wissen wir, dass Debatten über Flucht und Migration selten abstrakt bleiben. Sie wirken sich unmittelbar auf das Leben von Menschen aus. Auf Familien, die Schutz suchen. Auf Communities, die seit Jahrzehnten Teil dieser Gesellschaft sind. Und auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.

Besonders wichtig ist uns deshalb der Grundgedanke des Memorandums: Flüchtlingsschutz endet nicht bei der Aufnahme. Schutz bedeutet auch Teilhabe. Wer Menschen Sicherheit gibt, ihnen Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Mitgestaltung ermöglicht, stärkt nicht nur die Betroffenen, sondern die Gesellschaft als Ganzes.
Die aktuelle politische Diskussion vermittelt dagegen oft den Eindruck, Menschenrechte und gesellschaftliche Stabilität stünden in einem Widerspruch zueinander. Das Gegenteil ist der Fall. Gesellschaften werden nicht dadurch stärker, dass sie Schutzrechte abbauen. Sie werden stärker, wenn sie Vertrauen schaffen, Teilhabe ermöglichen und gleiche Rechte für alle gewährleisten.

Das Memorandum liefert dafür keine einfachen Parolen, sondern eine Vision. Es zeigt, wie ein Flüchtlingsschutz aussehen kann, der Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zusammendenkt. Von sicheren Fluchtwegen über faire Asylverfahren bis hin zu echter Mitbestimmung und politischer Teilhabe.
Für die BKMO ist klar: Die Stimmen von Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung müssen Teil dieser Debatte sein. Nicht als Betroffene am Rand, sondern als aktive Mitgestalter*innen einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft.

Denn die Frage, wie wir mit Schutzsuchenden umgehen, ist am Ende auch eine Frage danach, welche Gesellschaft wir sein wollen.

Eine Gesellschaft der Abschottung oder eine Gesellschaft des Zusammenhalts.