Fast jede*r Dritte hat eine Migrationsgeschichte – im Bundestag sind es nur 11,6 Prozent

Pressemitteilung – Berlin, 09.10.2026

Fast jede dritte Person in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte, im Bundestag sind es nur 11,6 Prozent. Ein neues Dossier der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) zeigt: Das liegt nicht an fehlendem Engagement, sondern an Hürden bei Wahlrecht, Parteien und Beteiligungsstrukturen. Es erscheint heute im Rahmen der 11. Jahreskonferenz der BKMO in Berlin.

Der erste Filter ist die Staatsangehörigkeit: Nur 36 Prozent der in Deutschland lebenden Migrant*innen waren bei der Bundestagswahl 2021 wahlberechtigt. Auch wer wählen darf, landet laut Beobachtung von BKMO-Mitgliedern oft auf Listenplätzen ohne realistische Aussicht auf ein Mandat. Das sind sogenannte „PR-Platzierungen“.

Besonders groß ist die Lücke in Ostdeutschland: Von 73 Bundestagsabgeordneten mit Migrationsgeschichte kommen nur vier aus den neuen Bundesländern. Das Dossier nennt Menschen mit Migrationsgeschichte dort „doppelt unsichtbar„.

„Doppelt unsichtbar heißt: Wir arbeiten, engagieren uns und gestalten, und kommen trotzdem kaum auf einer Liste vor. Das tut weh. Und es ist vermeidbar.“, sagt Eter Hachmann, Vorsitzende des Dachverbands der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst) und Vorstandsmitglied der BKMO.

„Wir engagieren uns seit Jahrzehnten, im Elternbeirat, im Verein, im Stadtteil. Nur dort, wo Entscheidungen fallen, kommen wir kaum vor. Das ist kein Mangel an Interesse, das ist ein Mangel an Zugang. Und der muss politisch geändert werden„, sagt Ehsan Djafari, Co-Vorstandsvorsitzender der BKMO.

Was sich laut Dossier ändern muss:

  • Bund: Kommunales Wahlrecht auch für Drittstaatsangehörige, wie es Luxemburg seit 2022 für alle Einwohner*innen mit Aufenthaltsrecht kennt, und zügigere Einbürgerungsverfahren.
  • Parteien: Transparente Listenaufstellungen, Mentoring und Quoten statt symbolischer Nominierungen.
  • Länder und Kommunen: Integrations- und Migrationsbeiräte mit echten Kompetenzen.
  • Förderpolitik: (Post)migrantische Organisationen stärken und ihre Vermittlungsarbeit finanzieren.

Zahlen aus dem Dossier auf einen Blick

  • rund 30 Prozent der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte
  • 11,6 Prozent der Bundestagsabgeordneten (2025)
  • 36 Prozent der Migrant*innen bei der Bundestagswahl 2021 wahlberechtigt
  • 4 von 73 Abgeordneten mit Migrationsgeschichte aus Ostdeutschland

Veröffentlicht auf der BKMO 11: Das Dossier erscheint heute zur 11. Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen, die unter dem Motto „(Über)Leben“ in Berlin stattfindet. Migrantische Organisationen erleben derzeit eine Zeit spürbarer Unsicherheit: Fördermittel werden gekürzt, Strukturen stehen zur Disposition. Auf der Konferenz diskutieren Migrant*innenorganisationen, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft darüber, wie Teilhabe gesichert werden kann. „Wir stellen die Frage heute direkt an die, die entscheiden: Wer trägt Verantwortung dafür, dass Millionen Stimmen ungehört bleiben?„, so Djafari.

Das Dossier (54 Seiten) zum Download: https://bundeskonferenz-mo.de/wp-content/uploads/2026/10/dossier-jenseitsdeswahlzettels_finales_OnlinePDF.pdf

Über den KVVZ: Das Dossier entstand im Kooperationsverbund für Vielfalt und Zusammenhalt (KVVZ). Er ist ein Zusammenschluss von sechs bundesweit aktiven (post-)migrantischen Organisationen: der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO), dem Bundesverband russischsprachiger Eltern (BVRE), dem Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst), dem Netzwerk neue deutsche organisationen (ndo), dem Polnischen Sozialrat (PSR) und der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD). Der KVVZ stärkt Teilhabe, gestaltet öffentliche Debatten mit und macht Repräsentanz sichtbar.

Über die BKMO: Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) ist ein bundesweites Netzwerk von über 70 migrantischen und postmigrantischen Initiativen. Sie setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und eine offene, demokratische Gesellschaft ein.

Für Interviews und Hintergrundgespräche mit Ehsan Djafari und Autor*innen der sechs Organisationen vermitteln wir gern Termine.

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